Posted in

CAPTAIN JACK HATTE DEN SCHATZ NOCH NICHT GEFUNDEN… ABER ETWAS BEWACHTE BEREITS DEN WEG. 🐍⚓ _giakhang204_video

Jack musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass die Kreatur wieder da war.

Das Wasser hinter dem Schiff veränderte seinen Rhythmus.

Keine Welle.

Kein Windstoß.

Etwas Großes bewegte sich unter der Oberfläche genau auf ihrem Kurs.

Elias, Jacks Erster Maat, trat neben ihn.

„Sie folgt uns.“

Jack hielt die Karte fest.

„Dann hat sie uns vorher nicht vertreiben wollen.“

Elias sah ihn an.

„Was sollte das sonst gewesen sein?“

Jack blickte auf die dunkle Linie am Horizont.

Die verlorene Insel musste dort draußen liegen.

Zumindest behauptete das die Karte.

„Vielleicht wollte sie uns von etwas fernhalten.“

Ein gewaltiger Rücken brach hinter ihnen durch die Oberfläche.

Die Männer an Deck schrien.

Jack wirbelte herum.

Die Seeschlange war näher als zuvor.

Viel näher.

Wasser strömte von ihren dunklen Schuppen. Ihr Kopf erhob sich über das Heck, doch sie biss nicht zu.

Sie starrte an ihnen vorbei.

Nach vorn.

Jack bemerkte es zuerst.

„Sie sieht uns nicht an.“

Elias folgte dem Blick der Kreatur.

„Sie sieht die Insel an.“

Die Schlange öffnete ihr Maul.

Ein tiefer Laut rollte über das Meer.

Dann schlug ihr Körper ins Wasser.

Die Welle traf Jacks Schiff seitlich.

Mehrere Männer stürzten.

Ein Fass riss sich los und krachte gegen die Reling.

„Festhalten!“

Jack packte das Steuerrad.

Das Schiff richtete sich wieder auf.

Die Schlange verschwand.

Für einige Sekunden war nur aufgewühltes Wasser zu sehen.

Dann tauchte ihr Rücken an Steuerbord wieder auf.

Parallel zum Schiff.

Nicht dahinter.

Neben ihnen.

Elias hob sein Gewehr.

Jack drückte den Lauf nach unten.

„Nicht.“

„Sie hat uns fast umgeworfen.“

„Wenn sie uns versenken wollte, wären wir bereits unter Wasser.“

Elias blickte auf die Größe des Tieres.

Er widersprach nicht.

Jack studierte die Karte erneut.

Sie war alt.

Älter als jeder Mann an Bord.

Die verlorene Insel war darauf nicht mit einem Namen gekennzeichnet. Nur ein schwarzer Kreis lag dort, wo nach den Berechnungen der Navigatoren Land sein musste.

Drei kurze Linien führten von Westen auf diesen Kreis zu.

Jack hatte sie bisher für Routenmarkierungen gehalten.

Jetzt war er sich nicht mehr sicher.

„Kurs halten“, sagte er.

Elias fluchte leise.

„Die Mannschaft will umkehren.“

„Ich weiß.“

„Vielleicht haben sie recht.“

„Vielleicht.“

Elias starrte ihn an.

Jack zeigte auf die Schlange.

„Aber ich will wissen, warum sie uns nicht angreift.“

Das war keine Antwort, die Elias gefiel.

Trotzdem gab er den Befehl weiter.

Das Schiff segelte weiter.

Die Schlange blieb neben ihnen.

Eine Stunde lang geschah nichts.

Dann erschien Land.

Zuerst nur ein dunkler Strich im Nebel.

Danach Felsen.

Schwarz.

Steil.

Unnatürlich gerade.

Die verlorene Insel.

Ein Ruf ging über das Deck.

Die Männer vergaßen für einen Moment die Kreatur.

Jack nicht.

Er beobachtete die Schlange.

Je näher sie der Insel kamen, desto unruhiger bewegte sie sich.

Schließlich schoss sie vor das Schiff.

Der Steuermann riss das Rad herum.

„Captain!“

Jack packte die Reling.

Die Schlange tauchte erneut auf.

Direkt vor dem Bug.

Sie hätte das Schiff rammen können.

Stattdessen bewegte sie ihren Körper quer zur Route.

Wie eine Barriere.

Elias trat neben Jack.

„Das ist keine Jagd.“

„Nein.“

„Sie blockiert uns.“

Jack nickte.

Die Kreatur schlug mit dem Schwanz auf das Wasser.

Eine Welle traf den Bug und drückte ihn mehrere Grad nach Westen.

Dann schwamm die Schlange zurück.

Jack gab den Befehl, das Schiff zu stoppen.

Die Segel wurden reduziert.

Die Mannschaft wartete.

Die Schlange wartete ebenfalls.

Elias sah Jack an.

„Und jetzt?“

Jack blickte zur Insel.

„Jetzt testen wir etwas.“

Er ließ das Schiff leicht nach Westen drehen.

Die Schlange bewegte sich nicht.

Dann zurück nach Osten.

Sofort hob sie den Kopf.

Jack ließ wieder nach Westen steuern.

Die Kreatur beruhigte sich.

Elias verstand.

„Sie will nicht, dass wir zur Insel fahren.“

„Sieht so aus.“

„Dann sollten wir vielleicht zuhören.“

Jack betrachtete die Karte.

„Noch nicht.“

Ein kleines Boot wurde vorbereitet.

Elias protestierte sofort.

„Du schickst niemanden dort hinüber.“

„Habe ich nicht vor.“

Jack ließ ein Lot und ein Messgerät ins Wasser.

Sie würden die Insel nicht betreten.

Noch nicht.

Sie würden zunächst herausfinden, was zwischen ihnen und dem Ufer lag.

Die erste Messung zeigte tiefes Wasser.

Die zweite ebenfalls.

Dann änderte sich die Tiefe abrupt.

Der Meeresboden stieg fast senkrecht an.

Jack ließ an einer anderen Stelle messen.

Dasselbe.

Noch einmal.

Wieder dieselbe Struktur.

Elias runzelte die Stirn.

„Ein Riff?“

Jack schüttelte den Kopf.

„Zu gerade.“

Sie bewegten sich entlang der westlichen Seite der Insel.

Nach und nach entstand ein Bild.

Unter dem Wasser verlief eine gewaltige Struktur um einen Teil der Küste.

Keine natürliche Felsformation.

Eine Mauer.

Oder das, was von einer Mauer übrig geblieben war.

Jack blickte zur Seeschlange.

Sie schwamm außerhalb dieser Linie.

Nie darüber.

Das fiel ihm auf.

„Sie überquert die Mauer nicht.“

Elias beobachtete sie.

„Vielleicht kann sie nicht.“

„Oder sie will nicht.“

Jack ließ einen weiteren Abschnitt vermessen.

Dort fanden sie eine Öffnung.

Breit genug für ein Schiff.

Auf der alten Karte entsprach diese Stelle einer der drei kurzen Linien.

Jack legte die Karte auf ein Fass.

„Das sind keine Routen.“

Elias beugte sich darüber.

„Was dann?“

Jack zeigte auf die drei Markierungen.

„Eingänge.“

Elias sah zur Insel.

„Zu was?“

Jack antwortete nicht.

Sie fanden den zweiten Eingang zwei Stunden später.

Der dritte lag auf der Nordseite.

Alle drei führten durch die versunkene Mauer.

Und jedes Mal reagierte die Schlange gleich.

Sobald Jacks Schiff sich einer Öffnung näherte, erschien sie.

Sie griff nicht an.

Sie stellte sich dazwischen.

Das Muster war eindeutig.

Am Abend ankerten sie weit außerhalb der Mauer.

Die Insel lag im roten Licht der untergehenden Sonne.

Keine Vögel flogen über den Felsen.

Kein Rauch stieg auf.

Keine Bäume bewegten sich.

Elias setzte sich neben Jack.

„Du wolltest einen Schatz.“

„Will ich immer noch.“

„Dort?“

Jack sah zur Insel.

„Die Karte sagt es.“

„Und die Schlange sagt etwas anderes.“

Jack lächelte schwach.

„Deshalb kann ich beide nicht ignorieren.“

In dieser Nacht hörten sie das erste Geräusch.

Es kam von der Insel.

Ein tiefer metallischer Ton.

Einmal.

Dann Stille.

Die Schlange reagierte sofort.

Ihr Kopf erhob sich aus dem schwarzen Wasser.

Zweiter Ton.

Die Kreatur schwamm näher an die versunkene Mauer.

Dritter Ton.

Jetzt bewegte sie sich schnell.

Nicht auf Jacks Schiff zu.

Zur nördlichen Öffnung.

Jack stand auf.

„Alle Mann wach!“

Laternen wurden entzündet.

Die Männer liefen an Deck.

Dann sahen sie es.

Zwischen den Felsen der Insel erschien ein schwaches grünes Licht.

Es wanderte nach unten.

Nicht über den Hang.

Durch ihn.

Elias flüsterte:

„Was ist das?“

Jack nahm das Fernrohr.

Das Licht verschwand an der Küste.

Sekunden später erschien es unter Wasser.

Hinter der versunkenen Mauer.

Die Seeschlange raste zur Öffnung.

Dann tauchte sie.

Das Meer explodierte.

Etwas schlug unter der Oberfläche gegen etwas anderes.

Die Männer hörten einen dumpfen Aufprall.

Dann noch einen.

Jack sah nur Schatten.

Einer gehörte der Schlange.

Der andere war kleiner.

Aber nicht viel.

Elias trat zurück.

„Da ist noch etwas.“

Jack sagte nichts.

Das grüne Licht bewegte sich auf die Öffnung zu.

Die Schlange stellte sich davor.

Der zweite Schatten stieß gegen sie.

Wasser schoss in die Höhe.

Die Kreatur, die Jacks Mannschaft den ganzen Tag gefürchtet hatte, wurde zurückgedrängt.

Zum ersten Mal sah Jack Blut im Wasser.

Dunkel.

Fast schwarz.

Die Schlange kehrte trotzdem zur Öffnung zurück.

Elias verstand vor allen anderen.

„Sie bewacht den Eingang.“

Jack nickte.

„Nicht den Schatz.“

Ein weiterer Schlag.

Die Schlange verschwand kurz unter der Oberfläche.

Das grüne Licht kam näher.

Jack traf seine Entscheidung.

„Anker hoch.“

Elias sah ihn ungläubig an.

„Wir fahren doch nicht hinein.“

„Nein.“

Jack zeigte nach Westen.

„Wir ziehen uns zurück.“

Die Mannschaft reagierte sofort.

Segel wurden gesetzt.

Das Schiff entfernte sich von der Insel.

Das grüne Licht stoppte.

Die Schlange tauchte wieder auf.

Sie sah Jacks Schiff.

Dann wandte sie sich erneut der Öffnung zu.

Der zweite Schatten verschwand.

Das Licht sank.

Nach wenigen Minuten war das Meer wieder dunkel.

Jack ließ das Schiff mehrere Meilen westlich treiben.

Am Morgen war die Insel kaum noch zu erkennen.

Die Schlange war verschwunden.

Elias stellte Jack einen Becher hin.

„Also war es das?“

Jack nahm ihn.

„Nein.“

Elias seufzte.

„Natürlich nicht.“

Jack legte die Karte auf den Tisch.

Er hatte die Nacht damit verbracht, sie unter verschiedenen Winkeln zu betrachten.

Im Morgenlicht hatte er etwas entdeckt.

Die schwarze Markierung der Insel war nicht vollständig schwarz.

Unter der Tinte lagen Linien.

Sie waren nur sichtbar, wenn Licht durch das dünne Pergament fiel.

Sieben Kreise.

Drei Öffnungen.

Und in der Mitte ein Symbol.

Ein Auge.

Elias betrachtete es.

„Das gefällt mir nicht.“

„Mir auch nicht.“

„Was bedeutet es?“

„Keine Ahnung.“

Jack drehte die Karte.

Am unteren Rand befand sich eine Reihe kleiner Zeichen.

Der Kartograf hatte sie fast vollständig mit einer späteren Notiz überdeckt.

Jack konnte nur einen Teil lesen.

NICHT DER SCHATZ…

Der Rest fehlte.

Elias schüttelte den Kopf.

„Sehr hilfreich.“

Jack faltete die Karte.

„Wir brauchen die ursprüngliche Quelle.“

„Und wo finden wir die?“

„Der Mann, von dem ich die Karte gekauft habe, sagte, sie sei eine Kopie.“

Elias sah ihn an.

„Eine Kopie von was?“

„Dem Logbuch eines Kapitäns namens Elias Vale.“

Elias hob eine Augenbraue.

„Elias?“

„Nicht du.“

„Schade.“

Vale war fast sechzig Jahre zuvor verschwunden.

Sein Schiff war ohne Besatzung gefunden worden.

Kein Schatz.

Keine Leichen.

Nur ein beschädigtes Logbuch.

Jack hatte diese Geschichte für Händlergerede gehalten.

Jetzt nicht mehr.

Sie kehrten zum nächsten Hafen zurück.

Dort begann Jack nach Vale zu suchen.

Nicht nach dem Mann.

Nach seinen Aufzeichnungen.

Wochen wurden zu Monaten.

Schließlich fand Jack in einem privaten Archiv drei Seiten, die aus Vales ursprünglichem Logbuch stammen sollten.

Die erste beschrieb die Insel.

Die zweite beschrieb den Schatz.

Die dritte beschrieb die Schlange.

Jack las sie zweimal.

Dann ein drittes Mal.

Elias stand hinter ihm.

„Was?“

Jack reichte ihm die Seite.

Vale hatte die Insel tatsächlich erreicht.

Seine Mannschaft war durch eine der drei Öffnungen in der versunkenen Mauer gesegelt.

Die Seeschlange hatte versucht, sie aufzuhalten.

Vale hielt sie für einen Wächter des Schatzes.

Er ließ auf sie schießen.

Die Kreatur zog sich zurück.

Sein Schiff erreichte die Insel.

Dort fanden sie Gold.

Viel Gold.

Aber nicht in einer Schatzkammer.

Das Gold lag in langen Reihen entlang steinerner Kanäle.

Münzen.

Platten.

Figuren.

Schmuck.

Gegenstände aus verschiedenen Jahrhunderten.

Elias las den Absatz noch einmal.

„Verschiedene Jahrhunderte.“

Jack nickte.

„Der Schatz wurde nicht auf einmal dort hingebracht.“

„Dann haben andere ihn zurückgelassen.“

„Oder zurückgebracht.“

Auf der nächsten Seite wurde Vales Schrift unruhiger.

Seine Mannschaft begann Gold auf das Schiff zu tragen.

Kurz danach erklangen drei Töne aus dem Inneren der Insel.

Grünes Licht erschien unter den Felsen.

Dann bewegte sich etwas in den Kanälen.

Vale beschrieb es nicht klar.

Nur:

DIE SCHLANGE KAM NICHT FÜR UNS.

SIE KAM FÜR DIE TÜR.

Jack legte die Seite ab.

Elias wurde still.

„Die Öffnungen in der Mauer.“

„Vielleicht.“

„Was ist hinter der Tür?“

Jack sah ihn an.

„Vale schrieb es nicht.“

„Warum nicht?“

Jack nahm die letzte Seite.

Der untere Teil war abgerissen.

Nur ein letzter vollständiger Absatz blieb.

Vale hatte seiner Mannschaft befohlen, alles Gold zurückzubringen.

Nicht weil das Gold verflucht war.

Nicht weil die Schlange es verlangte.

Sondern weil das Entfernen der Gegenstände etwas im Inneren der Insel verändert hatte.

Gewicht.

Balance.

Oder einen Mechanismus.

Vale selbst wusste es nicht.

Er wusste nur, dass jedes zurückgebrachte Stück das grüne Licht schwächer machte.

Als der letzte Gegenstand zurücklag, verstummten die Töne.

Die Schlange hörte auf zu kämpfen.

Die Tür blieb geschlossen.

Elias setzte sich.

„Also ist der Schatz Teil eines Schlosses.“

„Das sagt Vale nicht.“

„Aber du denkst es.“

„Ich denke, das Entfernen des Schatzes hatte eine Wirkung.“

Jack tippte auf die Seite.

„Mehr wissen wir nicht.“

Das war wichtig.

Er wollte nicht aus einer Warnung eine Legende machen.

Vielleicht waren die Gegenstände Gegengewichte.

Vielleicht Opfergaben.

Vielleicht Marker.

Vielleicht hatte Vale zwei Ereignisse falsch miteinander verbunden.

Doch die Reaktion der Schlange, die Jack selbst gesehen hatte, passte zu einem Teil der Geschichte.

Sie hatte versucht, sein Schiff fernzuhalten.

Als das grüne Licht erschien, hatte sie nicht Jack verfolgt.

Sie hatte die Öffnung verteidigt.

Jack kehrte nicht sofort zur Insel zurück.

Er suchte weitere Berichte.

Drei Jahre lang.

Er fand fünf glaubwürdige Erwähnungen einer großen Seeschlange in derselben Region.

In zwei Berichten wurden Schiffe verfolgt.

In beiden Fällen hatten die Kapitäne versucht, die Insel zu erreichen.

Ein drittes Schiff fuhr lediglich an der Region vorbei.

Die Schlange erschien.

Sie beobachtete.

Sie griff nicht an.

Ein vierter Bericht erwähnte drei metallische Töne.

Das Schiff kehrte um.

Nichts geschah.

Der fünfte Bericht war der älteste.

Nur ein Satz war erhalten:

DER WÄCHTER BEWACHT NICHT DAS GOLD. ER BEWACHT DEN WEG.

Jack schrieb diesen Satz auf seine Karte.

Jahre später führte ihn eine Reise erneut in die Nähe der verlorenen Insel.

Seine Mannschaft war inzwischen eine andere.

Elias war noch immer bei ihm.

„Wir könnten vorbeifahren“, sagte Elias.

Jack sah ihn an.

„Das tun wir.“

„Wirklich?“

„Wirklich.“

Sie änderten ihren Kurs nicht.

Am Nachmittag erschien die Seeschlange.

Ein junger Matrose griff nach einer Harpune.

Elias stoppte ihn.

„Lass sie.“

Die Kreatur schwamm parallel zum Schiff.

Wie damals.

Ihr gewaltiger Kopf erhob sich kurz über die Oberfläche.

Jack stand an der Reling.

Die Schlange sah ihn an.

Oder vielleicht sah sie nur das Schiff.

Jack konnte es nicht wissen.

Am Horizont erschien die schwarze Silhouette der Insel.

Die Kreatur bewegte sich zwischen Schiff und Insel.

Jack hielt Kurs.

Nicht auf die Insel zu.

Daran vorbei.

Die Schlange blieb eine Stunde bei ihnen.

Dann verschwand sie.

Kein Angriff.

Keine Welle.

Kein Kampf.

Elias trat neben Jack.

„Sie hat uns durchgelassen.“

Jack schüttelte den Kopf.

„Wir wollten nirgendwohin, wo sie uns aufhalten musste.“

Hinter ihnen wurde die Insel kleiner.

Jack hatte den Schatz nie gesehen.

Vielleicht war er noch dort.

Vielleicht hatte Vale nicht alles zurückgebracht.

Vielleicht hatten spätere Expeditionen Teile davon entfernt.

Vielleicht war die Geschichte vom Gold größer geworden, während die eigentliche Warnung vergessen wurde.

Jack wusste es nicht.

Aber er wusste etwas anderes.

Die Karte hatte die verlorene Insel wie ein Ziel aussehen lassen.

Die Schlange hatte sie wie eine Grenze behandelt.

Und Grenzen existierten gewöhnlich aus einem Grund.

Jack bewahrte die Karte trotzdem.

Nicht als Schatzkarte.

Er änderte ihre Funktion.

Über die drei alten Linien schrieb er:

NICHT DURCHFAHREN.

Neben die Insel:

NICHT ANLANDEN.

Und über die Zeichnung der Seeschlange schrieb er nur ein Wort:

WÄCHTER.

Jahre später fragte ihn ein junger Kapitän, ob die Geschichten wahr seien.

„Gibt es dort wirklich Gold?“

Jack antwortete:

„Wahrscheinlich.“

„Und eine Seeschlange?“

„Ja.“

Der Mann lächelte.

„Dann bewacht sie den Schatz.“

Jack faltete die Karte.

„Das dachte ich auch.“

„Und jetzt?“

Jack blickte hinaus aufs Meer.

Er erinnerte sich an das grüne Licht.

An die drei Töne.

An den zweiten Schatten hinter der versunkenen Mauer.

Und an die Schlange, die verletzt worden war, während sie eine Öffnung verteidigte, durch die sie selbst niemals schwamm.

„Jetzt glaube ich, dass der Schatz nur dafür sorgt, dass Menschen immer wieder denselben Fehler machen.“

Der junge Kapitän verstand nicht.

Das musste er auch nicht.

Jack hatte lange genug auf See gelebt, um zu wissen, dass manche Warnungen erst dann ernst genommen wurden, wenn jemand überlebte, nachdem er sie ignoriert hatte.

Er hatte die Insel nicht erreicht.

Er hatte das Gold nicht gefunden.

Doch genau das hatte ihm möglicherweise das Leben gerettet.

Denn die Seeschlange hatte nie versucht, Jack vom Schatz fernzuhalten.

Sie hatte versucht, ihn davon abzuhalten, den Weg zu dem zu öffnen, was dahinter wartete.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *